Die „Methode Pöhm“ – Was ich beim „Rhetorik-Event der Superlative“ erlebte …

Ich wurde angelockt vom Zauber eines außergewöhnlichen Rhetorik-Events. Dozenten für Rhetorik an der Universität Erfurt hatten mich darauf aufmerksam gemacht. Nun wollte ich es mit eigenen Augen sehen: Das „Rhetorik-Event der Superlative“ mit Matthias Pöhm. Europas teuerster Trainer für Rhetorik coacht zwei Tage lang zehn Teilnehmer vor über hundert Zuschauern, die durch eifriges Klatschen den Ernstfall simulieren.

Matthias Pöhm: „Die Rhetorik war mein Mangel!“

Matthias Pöhm beim "Rhetorik-Event der Superlative"

Matthias Pöhm beim „Rhetorik-Event der Superlative“

Matthias Pöhm hat seinen Mangel zum Beruf gemacht: Rhetorik – Reden vor Publikum. Die Geschichte, wie er zur Rhetorik kam, erzählt er auch in einem Exklusiv-Interview, das sie hier nachlesen können. „Geschichte der Erweckung“ nennt er das Ereignis, von dem er zu Beginn des Seminars in kurzen, drastischen Worten berichtet. Heute gilt er als Deutschlands „bester und teuerster Rhetorik-Trainer“ (Nordwest Zeitung). 5.600 Euro zahlen Teilnehmer – und selbst Zuschauer legen 290 Euro auf den Tisch.

Rhetorik, die wirkt

Im großen Seminarraum eines Münchner Luxushotels hält Chef-Coach Matthias Pöhm kurze Impulsvorträge. Er inszeniert einfache Methoden äußerst spektakulär. Diese sind an sich nicht wirklich neu und man wundert sich, das man nicht selber darauf gekommen ist. Pöhms Grundsatz: „Was nicht wirkt, fliegt aus der Rede!“

Nach dem Impulsvorträgen wird das Gelernte direkt angewendet. Dafür teilt sich das Publikum in drei Räume – jeder hält seine Rede dreimal! Insgesamt präsentieren die Teilnehmer 17 Reden in zwei Tagen. Nebenbei lernen Sie unter anderem ein Headset richtig aufzusetzen. Feedback bekommen die Teilnehmer von drei Co-Trainern, die die Wirk-Techniken von Matthias Pöhm wie aus dem FF beherrschen. Nach den kurzen Pausen ruft eine Glocke das Publikum zusammen. Es geht weiter …

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Ein Teilnehmer bei einer Flipchart-Präsentation

Das Event ist wirklich eines der Superlative. Generalstabsmäßig geplant, minutengenau getaktet. Am Ende des ersten Seminartages zeigt mir eine Mitarbeiterin stolz den Ablaufplan: Geplantes Ende: 21:51 Uhr. Erreichtes Ende 21:50 Uhr.

Rhetorik, einem Baukasten gleich

Man kann die „Methode Pöhm“ mit einem Baukasten vergleichen: Es werden Techniken angeboten, die wirklich funktionieren. Sie sind auch mit wenig Vorlaufzeit universell einsetzbar Pöhms Rhetorik-Baukasten taugt für den Alltag in Schule, Uni oder Business.

Matthias Pöhm zeigt, wie man eine Botschaft durch die Bewegung der rechten Hand zu taktet

Matthias Pöhm zeigt, wie man eine Botschaft durch die Bewegung der rechten Hand taktet

Doch worin besteht die Methode Pöhm? Hier ein paar kurze Stichworte:

  • Erzählen Sie Geschichten. Sorgen Sie für Bilder auf der geistigen Leinwand ihrer Zuhörer. So  überzeugen Sie.
  • Verwenden Sie kurze Sätze. Formulieren Sie klare Botschaften. Streichen Sie Bindeworte wie „und“ „sowie“ und „oder“.
  • Machen Sie es spannend. Nehmen Sie das Ergebnis nicht vorweg. Beschreiben Sie Probleme  – erst am Ende zeigen Sie, wie Sie diese überwunden haben.
  • Machen Sie eine Pause vor und nach wichtigen Botschaften. Unterstützen Sie im Takt wichtige Botschaften mit der rechten Hand.
  • Reihen Sie nicht Argument an Argument. Sagen Sie Weniges auf Herzebene.
  • Werden Sie zum Meinungsführer. Wenn Sie souverän wirken, werden Sie auch als souverän Handelnder wahrgenommen.

Rhetorik kann man lernen

Gespannte Aufmerksamkeit: Ein Teilnehmer hält seine Rede im großen Seminarraum

Gespannte Aufmerksamkeit: Ein Teilnehmer hält seine Rede im großen Seminarraum

Jede Technik wird geübt, trainiert und hoffentlich verinnerlicht. Erkennbar ist: Die Teilnehmer werden immer besser, immer routinierter. Anfangs wirken die Techniken noch künstlich und aufgesetzt. Doch bei manchem Teilnehmer wirken die imitierten Standardgesten bald souverän.

Die Abschlussreden am Ende des zweiten Seminartages zeigen: Alle können es besser als vorher. Dennoch sind die Teilnehmer jetzt nicht automatisch gute Redner. Das weiß auch Matthias Pöhm. Er gibt seinen Teilnehmern abschließend mit auf den Weg: „Sie müssen dran bleiben – sonst wird das nichts!“

Rhetorik-Schule Pöhm

Beim „Rheotrik-Event der Superlative“ weicht keiner von der straffen Methode des Meisters ab. Das wirkt manchmal steif, doch schnell ist klar: Hier trifft sich eine Rhetorik-Schule. Ein charismatischer Lehrer und seine lernbegierigen Schülern. Viele von denen, die als Zuschauer kommen, waren vorher Teilnehmer. Hier geht es nicht nur um Rhetorik, sondern auch um die Person Matthias Pöhm, der auf lernwillige rhetorische Anfänger eine große Anziehungskraft ausübt.

Rhetorik ohne Ethik

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Der Weg nach München hat sich gelohnt. Matthias Pöhm gibt den Rat: „Bleibt dran – sonst wird das nichts!“

Pöhms Rhetorik-Baukasten ist eine mächtige Waffe. Geschichten mit Zuhörzwang erzählen zu können, zu wissen, wie man Bilder im Kopf des Anderen auslöst um das Unterbewusstsein der Zuhörer anzusprechen – wer weiß, wie das geht, hat die Macht zu manipulieren.

Pöhm begegnet diesem Vorwurf entspannt. Er will sein Anliegen möglichst appetitlich verkaufen – um jeden Preis. Eine Ethik der Rhetorik wird man bei Matthias Pöhm nicht finden. Schade eigentlich. Denn sein „Rhetorik-Event der Superlative“ der perfekte Ort, die eigenen Präsentationen und Vorträge auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.

Für mich bleibt viel von diesem Seminar. Der Weg nach München hat sich gelohnt. Vielleicht war es auch für mich nicht das letzte Mal.

Johannes Schmoldt nahm als Zuschauer am „Rhetorik-Event der Superlative“ teil, dass vom 09. bis zum 10. Oktober in München stattgefunden hat.